Meine sehr geehrten Damen und Herren,
vor 50 Jahren schrieb ALBERT SCHWEITZER, der große Humanist, Theologe, Musiker und Arzt, im afrikanischen Urwaldkrankenhaus Lambarene seinen berühmten „Appell an die Menschheit”. Er appellierte an die Atomwaffenstaaten, mit den Testexplosionen von Atombomben aufzuhören, welche die Erdatmosphäre radioaktiv verseuchen. Sein Appell wurde am 23. April 1957 von dem Vorsitzenden des Nobelkomitees über Radio Oslo verlesen und auf weiteren 150 Radiosendern, übersetzt in viele Sprachen, in alle Welt ausgestrahlt.
Die "international Albert Schweitzer fellowship" und die "Internationale Ärztebewegung zur Verhütung eines Atomkriegs ( IPPNW)" sind dankbar dafür, dass heute das eindrucksvolle musikalische Werk für den Frieden aufgeführt werden wird, das in England bereits über 100 Aufführungen erlebte.
Wir werden in der "Messe für den Frieden" musikalisch und textlich hören und miterleben, wie Soldaten sich auf die Schlacht vorbereiten, das Kettenhemd anlegen, bereit zu kämpfen und auch zu sterben, aber mit allen Ängsten und Gebeten um Rettung. Wir werden von den Fackeln und Flammen der Schlacht, von den brennenden Menschen nach der Atombombenexplosion hören. Wir erleben beim Hören wieder das Elend des Krieges, denken dabei an selbst Erlebtes und an die vielen Menschen, die zur Zeit unter den Kriegen leiden, und wir denken an die großen Gefahren durch die Atomwaffen in acht Ländern und an die Atomwaffenrüstung, die geheim in weiteren Ländern vorbereitet wird.
Wir atmen dann auf und beten mit, wenn der Chor singen wird „Lamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, gib uns Frieden”. Und wir stimmen zu, wenn am Ende gesungen wird „Frieden ist besser, als immer nur Krieg”, denn seit 1945 leidet die Menschheit jedes Jahr unter 20-25 Kriegen weltweit. Wir sind dankbar, wenn visionär im Glauben an Gott gemahnt wird „läutet aus die Dunkelheit im Land, läutet ein den Christus, der kommen wird. Gott wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr haben, Leid, Angst und Schmerzen wird es nie wieder geben, lobet den Herren”.
Ach, liebe Damen und Herren, leider Gottes ist es immer noch nötig, Messen für den Frieden zu beten und zu singen und die Regierungen und Menschen zu drängen, nicht die "Kettenhemden" anzuziehen, also für den Krieg zu rüsten und fortwährend Atomwaffen zu modernisieren, wie das auch jetzt in den USA, England und Russland geschieht, und mit ihnen zu drohen. 27.000 einsatzbereite Atomwaffen, darunter auch etwa 150 in Deutschland, gefährden die Welt. Man könnte verzweifeln, doch das dürfen wir nicht, wir müssen uns für den Frieden einsetzen.
Verzweifelt war auch Albert Einstein vor 50 Jahren, nachdem nach vielen Uran-Atombombentests nun die USA, dann auch England und bald Russland die noch viel stärkeren Wasserstoffbomben getestet hatten, auf den Marschall Inseln im Stillen Ozean, sowie in Sibirien. Von Freunden gedrängt, sein großes internationales Ansehen einzusetzen, entschloss sich Albert Einstein zu seinem großen Appell an die Menschheit, der, wie schon erwähnt, von Oslo aus in alle Welt ausgestrahlt wurde. Albert Einstein hatte erkannt, dass nur mittels einer engagierten Weltmeinung die Gefahren für die Menschheit und die Natur gestoppt werden könnten. Er beschrieb in seiner Rede in klaren und eindringlichen Worten die Auswirkungen der überirdischen Atomexplosionen, die auf Jahrhunderte die Atmosphäre, Wasser, Erde, Nahrung und alle Lebewesen radioaktiv verseuchen.
Im Appell sagte Dr. Schweitzer u.a. wörtlich: „Mit anderen ( wobei er seine Freunde Albert Einstein und Bertrand Russel meinte und sicher auch an die 18 deutschen Atomwissenschaftler der Göttinger Erklärung vom 12. April 1957 dachte), mit anderen, die sich verpflichtet halten, in diesen Tagen als Mahner in Wort und Schrift aufzutreten, erhebe ich meine Stimme. Mein Alter und die Sympathie, die mir die von mir vertretene Idee der Ehrfurcht vor dem Leben eingetragen hat, lassen mich erhoffen, dass meine Meinung dazu beitragen kann, der Einsicht, die nötig ist, den Weg zu bereiten”.
Schweitzers Appelle bewirkten in den Atomwaffenregierungen Aufregung und sogar Nachdenklichkeit. Im Oktober 1958 wurde eine Vereinbarung zum Teststop verabschiedet, die leider nur vorübergehend eingehalten wurde, weil eine neue Atomwaffenmacht, Frankreich, inzwischen Atomwaffen hergestellt und getestet hatte.
Albert Schweitzer wurde auch für unsere "Internationale Ärzteorganisation zur Verhütung eines Atomkriegs ( IPPNW)" eine Leitfigur, daneben auch Albert Einstein, der aus Verzweiflung über seine anfängliche Befürwortung der Herstellung amerikanischer Atomwaffen zum entschiedensten Gegner geworden war. Albert Einsteins Aussage, "wir brauchen eine substantiell neue Denkweise, wenn die Menschheit überleben will" wurde auch zu unserer Devise.
Am 50. Jahrestag von Albert Schweitzers "Appell an die Menschheit" hat die internationale Ärzteorganisation IPPNW eine neue Kampagne gestartet, mit der Forderung nach einer internationalen "Atomwaffenkonvention", wie sie auch für Chemiewaffen besteht, sowie mit der Forderung, alle Atomwaffen abzurüsten. Die Kampagne trägt die Initialen I C A N, für "International Campaign Against Nuclear weapons", soll aber auch verstanden werden als I can, d.h. auch ich kann meinen Beitrag zur Verhütung einer atomaren Katastrophe leisten, wie Albert Schweitzer das gefordert hat, mit unserer lauten Meinungserklärung gegenüber den Regierenden, mit dem Ziel, unsere schöne Erde zu erhalten, ohne die Bedrohungen durch Atomwaffen und Kriege.
Wir wollen uns für Frieden einsetzen und für die Bewahrung der Schöpfung!
Nun wollen wir die "Messe für den Frieden" hören und mitbeten.
Prof. Dr. Ulrich Gottstein
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