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Pressemitteilung vom 01.10.99

IPPNW - die Antiatomärzte erklären zum Atomunfall in Japan: irreparable gesundheitliche Folgen noch nicht absehbar

Katastrophenschutz in Deutschland würde bei Atomunfall versagen.

Die Ärztinnen und Ärzte der IPPNW sehen in dem schweren Unfall in der Brennelementefabrik Tokaimura einen weiteren sichtbaren Beleg für die Unbeherrschbarkeit der Atomtechnologie. Der Unfall in Japan zeigt, daß wir jederzeit mit der massiven Freisetzung hochgefährlicher radioakiver Stoffe aus Atomanlagen rechnen müssen. Die IPPNW erwartet von der Bundesregierung, daß sie die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung ernst nimmt. Das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 Grundgesetz) muß Vorrang vor den Profitinteressen der Atomindustrie haben. Als Konsequenz fordert die IPPNW von der Bundesregierung die sofortige Einleitung der Abschaltung aller Atomanlagen. Die gesundheitlichen Folgen für die Menschen in der näheren Umgebung der kerntechnischen Anlage von Tokaimura sind noch nicht absehbar.

Entscheidend dabei ist nicht allein die Strahlendosis, die von außen auf den menschlichen Körper trifft. "Von großer Bedeutung ist vielmehr die Frage, welche Menge an radioaktiven Substanzen freigesetzt wurden und möglicherweise noch freigesetzt werden. Denn die gebildeten radioaktiven Isotope wie Jod 131, Strontium 90 und Cäsium-134 sowie -137 können vom menschlichen Organismus aufgenommen werden. Sie strahlen dann von innen auf empfindliches menschliches Gewebe: Jod beispielsweise auf die Schilddrüse mit der möglichen Folge von Schilddrüsenkrebs und Strontium auf das Knochenmark, wodurch das Leukämierisiko erhöht und das Immunsystem beschädigt wird" erklärte Prof.Dr.Dr. E. Lengfelder, IPPNW-Mitglied und Strahlenbiologe aus München. Wie Japan in keiner Weise auf den Unfall in Tokaimura vorbereitet war, so ist auch die Bundesrepublik Deutschland in keiner Weise auf einen derartigen Unfall vorbereitet. "Der Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen ist desolat, " erklärte Dr. Rainer Stephan für die IPPNW .

Weder wurden die Kenntnisse aus den Tschernobylfolgen berücksichtigt, noch sind die Beschlüsse der Innnenministerkonferenz vom Nov. 1997 zur Jodblockade der Schilddrüse bei kerntechnischen Unfällen umgesetzt worden. Obwohl es einen ausreichend wirksamen Katastrophenschutz für den Fall eines schweren Unfalls nicht geben kann, muß doch alles getan werden, um auch bei kleineren Unfällen mit Radioaktivitätsaustritt die Strahlenschäden mindestens zu minimieren. Die wirksamste Medizin gegen die Atomtechnologie bleibt der unverzügliche Ausstieg. Das Jahr 2000 (J2K) Computerproblem gewinnt auf Grund des Unfalls in Tokaimura eine neue Aktualität. Wir dürfen keine Risiken eingehen, die nicht wiedergutzumachende Folgen haben könnten. Die IPPNW erneuert daher Ihre Forderung nach vorsorglicher Stillegung aller Atomanlagen ab dem 1. Dezember 1999.

Für Nachfragen oder Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an
Frank Uhe, kontakt@ippnw.de



















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