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Pressemitteilung vom 20.09.1999

Atomfrei ins nächste Jahrtausend

AKW-Gegner fordern weltweiten Atomsicherheits-Urlaub

Berlin, den 20.09.99 Im Rahmen der weltweiten Kampagne "Y2K WASH" (Jahr 2000: Weltweiter Atomsicherheits-Urlaub - J2K WAU) treffen sich heute in Berlin Atomkraftgegnerinnen und -gegner aus aller Welt (Japan, USA, Australien, England, Schottland, Niederlande, Deutschland) zum Forum Atomkritischer Bürgerinnen und Bürger. Das Forum findet am Vortag eines Arbeitstreffens der G8-Staaten zur Vorbereitung des Jahrtausendwechsels statt.

Ziel des Forums ist es, die öffentliche Aufmerksamkeit verstärkt auf die besonderen Probleme und Risiken zu lenken, die aus dem Jahr 2000-Problem für Atomkraftwerke und Atomraketen entstehen können. Initiator des Forum ist die japanische Organisation Y2K WASH sowie die deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW).

Nach Aussage des Reaktorsicherheitsexperten Ing. Gerhard Schmidt vom Darmstädter Öko-Institut können gerade Atomkraftwerke mit ihrem ungeheueren Gefährdungspotential in vielfältiger Weise vom Jahr 2000-Problem betroffen sein. Ein besondere Gefahr erwächst nach Schmidts Worten aus einem möglichen länger anhaltenden Zusammenbruch des Stromnetzes. Die Kraftwerke müßten dann zur Aufrechterhaltung der Kühlung des hochaktiven Reaktorkerns auf Notstromdieselaggregate zurückgreifen, dessen Funktion selbst durch das Jahr 2000-Problem beeinträchtigt sein könnte. Weiterhin seien die Kraftwerke von ihrer Auslegung her nur auf eine wenige Stunden dauernde Kühlung mittels Notstrom eingerichtet. Es könne aber nicht vorhergesagt werden, wie lange kein Stromnetz und damit keine externe Stromversorgung zur Verfügung stünde. Auch die Versorgung mit Dieselkraftstoff über einen längeren Zeitraum sei nicht sichergestellt bzw. könnte durch das Jahr 2000-Problem beeinträchtigt werden.

Ltd. Medizinaldirektor Dr. Rainer Stephan von IPPNW Deutschland, Experte für Katastrophenschutz im Zusammenhang mit Atomunfällen, forderte angesichts dieser Risiken von Bund und Ländern ein umfangreiches Programm zur Vorsorge für mögliche Störfälle in in- und ausländischen Atomkraftwerken. «Es ist klar», so Dr. Stephan, «daß es einen ausreichenden Katastrophenschutz bei schweren AKW-Unfällen nicht geben kann. Es muß aber alles getan werden, um Strahlenschäden möglichst zu verringern». Stephan forderte daher u.a. eine umfangreiche Aufklärung der Bevölkerung, die flächendeckende Bereitstellung von hochdosierten Jodtabletten sowie Evakuierungsübungen im Umkreis von 100 km um jedes Atomkraftwerk.

Viel weiter geht die Forderung von Frau Yumi Kikuchi, Mitbegründerin der japanischen Organisation Y2K WASH. Ihre Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, alle Atomkraftwerke ab dem 1. Dezember vorsorglich vom Netz zu nehmen. Außerdem sollen alle atomaren Sprengköpfe aller Atomwaffen von ihren Trägersystemen entfernt werden. Die Anlagen sollen frühestens dann wieder in Betrieb genommern werden, wenn ihre Jahr 2000-Festigkeit garantiert werden kann. «In drei Monaten werden wir etwas erleben, was niemand vor uns je erlebt hat. Laßt uns daher zumindest zeitweise die atomaren Aktivtäten stoppen, damit wir nicht in die atomare Katastrophe rennen. Ein Gramm Vorsoge ist mehr wert als ein Kilogramm Heilung», so Frau Kikuchi in Berlin.

Das Arbeitstreffen der G8-Staaten findet am 21. und 22. September 1999 im Hotel Radisson-Plaza in Berlin statt. Die Teilnehmer des Forums werden eine Resolution verfassen, die den Delegierten der G8-Tagung vorgelegt werden soll.

Bie Rückfragen wenden Sie sich bitte an Xanthe Hall oder Andreas Lämmermann
kontakt@ippnw.de

Lesen Sie hier die Abschlußerklärung des Forums Atomkritischer BürgerInnen.

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