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Pressemitteilung vom 13.12.2001

Wer krank ist, wird abgeschoben

Ärzte und Flüchtlinge übergeben 27.100 Unterschriften für ein Bleiberecht traumatisierter Flüchtlinge an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse

Berlin- Überlebende von Folter, Vergewaltigung und Krieg, die an den Folgen ihrer Erlebnisse nachhaltig leiden, finden in Deutschland immer seltener den notwendigen Schutz. Das heute im Bundestag in erster Lesung debattierte Zuwanderungsgesetz droht die Situation dieser kranken Flüchtlinge zusätzlich zu verschärfen. Deshalb übergeben die Ärzte für Frieden und in sozialer Verantwortung (IPPNW) heute Bundestagspräsident Wolfgang Thierse stellvertretend für die Mitglieder des Bundestages 27.100 Unterschriften für ein gesetzlich verbrieftes Bleiberecht traumatisierter Flüchtlinge.

Die Unterschriftenaktion der IPPNW-Ärzte lief über 18 Monate. Die Ärzte appellieren eindringlich an die Bundestagsabgeordneten, kranke Flüchtlinge nicht abzuschieben.

Krieg, Folter und Vergewaltigung hinterlassen bei einigen Flüchtlingen tiefe seelische Wunden, die zu Krankheiten werden können. "Für die medizinische und psychotherapeutische Behandlung dieser traumatisierten Flüchtlinge und Folteropfer ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ein stabiles soziales Umfeld erforderlich", sagt Waltraud Wirtgen, Ärztin für psychotherapeutische Medizin und Psychoanalyse aus München. "Permanente Angst vor Abschiebung steht einer therapeutischen Behandlung entgegen". Die drohende Abschiebung in ein Land, in dem die Traumatisierung stattfand, führt bei vielen Flüchtlingen zu unerträglichen Ängsten und Depressionen, die ihren angegriffenen Gesundheitszustand verschlechtern - bis hin zur Selbsttötungsgefahr. Obwohl diese Krankheiten von den behandelnden Ärzte bescheinigt werden, gelten sie nicht als Abschiebehindernis - selbst dann nicht, wenn es in ihren Heimatländern keine medizinische Behandlung für ihre Krankheit gibt. Auch der 103. Deutsche Ärztetag verurteilte im vergangenen Jahr "die Abschiebung kranker und behandlungsbedürftiger Opfer von Foltermaßnahmen".

Hautnah wird Wolfgang Thierse die Abschiebepraxis und ihre Auswirkung auf Menschen erleben. Zur Übergabe der Unterschriften erscheinen fünf Mitglieder des aus kongolesischen und angolanischen Flüchtlingen geformten Chores "Les Ambassadeurs pour Christ" aus Ansbach. Bei einigen von ihnen endet die Duldung am morgigen Freitag, den 14.12.. Dann sind die Flüchtlinge zur Ausreise verpflichtet oder sie halten sich illegal in Deutschland auf. Trotz ihrer völlig verzweifelten Situation unterstützen sie mit Gospelliedern das Anliegen der Kampagne, ein Bleiberecht für traumatiserte Flüchtlinge im Zuwanderungsgesetzt zu verankern.

Für Nachfragen wenden Sie sich bitte an
Frau Dr. Ute Watermann

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