Als schweren Fehler bezeichnet die Deutsche Sektion der IPPNW die Entscheidung der russischen DUMA, zukünftig abgebrannte Brennelemente zu importieren. Von der Bundesregierung fordert die IPPNW, klar zu erklären, dass deutscher Atommüll in keinem Fall nach Russland exportiert wird und russische Atomprogramme weder direkt aus Deutschland, noch über Umwege innerhalb der EU oder der G7 finanziert werden, insofern sie den Ausbau der Atomenergienutzung zum Ziel haben. Ausgenommen bleiben Abrüstungsprogramme der Atomwaffen. Die Entscheidung der DUMA könnte zu einem Dammbruch im Umgang mit Atommüll führen.
"Russlands Atomindustrie ist in einem beklagenswerten Zustand", so IPPNW-Russland-Experte Dr. Lars Pohlmeier, der mit einer internationalen IPPNW-Ärzte-Delegation Ende Mai bei Gesprächen in Moskau auch Russlands neuen Atomminister Rumyantzev sowie seine Berater traf. Russland will seine Atomindustrie mit Devisen sanieren und neue Exportmärkte erschließen.
Die großen Probleme im Umgang mit radioaktiven Materialien werden weiterhin - wie in den USA auch - durch Verschweigen und Geheimhalten kaschiert. Russlands argumentiert, als Anbieter von Brennstäben sei es nur logisch, abgebrannte Brennelemente zurückzunehmen. Bislang aber ist international die Regel, dass Länder, in denen Brennelemente eingesetzt werden und durch deren Nutzung sich die Strahlung vervielfacht, die Brennelemente selbst entsorgen müssen.
Deshalb muß deutscher Atommüll aus Frankreich in qualitativ gleichwertiger Menge wie exportiert, zurückgenommen werden. Bestandteil des neuen Atomprogramms Russlands ist der Bau von Plutonium-Reaktoren. Diesen Plänen erteilt die IPPNW eine Absage. Diese Technik ist aufgrund zahlloser technischer Probleme weltweit ohne Zukunft. In diese Technologie zu investieren, würde Russland finanziell in eine Sackgasse führen und die gesundheitliche Bedrohung der Bevölkerung erheblich erhöhen.
Auch Russlands Zukunft liegt in der Erforschung und Anwendung erneuerbarer Energie. Die wissenschaftlichen Grundlagen ließen sich leicht schaffen, finanzielle Unterstützung durch die G7 oder die EU wären möglich. Die politische Zielrichtung, die sich derzeit abzeichne, bedient allein monetäre Interessen einzelner. So war zum Beispiel der unter Korruptionsverdacht entlassene Ex-Atom-Minister Evgeni Adamov schon zu Minister-Zeiten unternehmerisch im Atomgeschäft tätig.
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