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Pressemitteilung vom 30.03.2001

Ärzteorganisation fordert weitere Untersuchungen

Deutliche Erhöhung kindlicher Krebsraten im Umkreis bayrischer Atomkraftstandorte

Berlin-  In einem offenen Brief an das Bundesamt für Strahlenschutz fordert Dr. Angelika Claußen, Vorsitzende der IPPNW, der durch eine Studie belegten auffälligen Erhöhung der Krebsrate bei Kindern um bayrische Atomkraftwerke nachzugehen. Das Bundesamt, über diese Daten informiert, sieht bislang keine Notwendigkeit weitere Untersuchungen zur Klärung der Ursachen der erhöhten Kinderkrebsrate durchzuführen.

Es folgt der Text des Briefes mit dem Datum 30. März 2001:
"Wie Ihnen bereits bekannt ist, zeigt eine neue Studie, die von der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW initiiert und von Dr. Körblein, Umweltinstitut München e.V. durchgeführt wurde, alarmierende Ergebnisse: Die kindliche Krebsrate im Umkreis der 3 bayerischen Standorte von Atomkraftwerken ist hochsignifikant um 30% im Vergleich zum bayerischen Durchschnitt erhöht. Die deutlichste Erhöhung zeigt sich um das AKW Gundremmingen: Im Mittel der 3 Landkreise Günzburg, Dillingen und Augsburg-Land beträgt die Erhöhung 40%.

Die Ergebnisse der Studie waren dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am 11.2.2001 zur Verfügung gestellt worden. In einer Stellungnahme des BfS, datiert auf den 9.3.2001 wird die Richtigkeit der Ergebnisse der vorgestellten Studie bestätigt. Das Bundesamt für Strahlenschutz bringt aber in diesem Schreiben auch zum Ausdruck, dass es nicht beabsichtigt, weitere Untersuchungen zur Klärung der Ursachen der erhöhten Kinderkrebsrate durchzuführen.

Wir betrachten es als Aufgabe des BfS, der auffälligen Erhöhung der Krebsrate bei Kindern um bayerische Atomkraftwerke nachzugehen. Es müssen jetzt weitergehende Studien durchgeführt werden, die zur Klärung der Ursache der Häufung von Krebserkrankungen beitragen können. Dazu bieten sich folgende Möglichkeiten an:

1. Um alle vorhandenen Daten vollständig zu nutzen, sollte in einer erweiterten ökologischen Studie der Studienzeitraum bis 2000 ergänzt werden.
2. Eine Fall-Kontroll-Studie in der Untersuchungsregion könnte Aufschluss darüber geben, ob die Fälle (krebskranke Kinder) gegenüber den Kontrollen (gesunde Kinder) vermehrt in der Nähe zum AKW oder in einem Sektor der Hauptwindrichtung, etwa in südöstlicher bis nordöstlicher Richtung auftreten. Neben der Nähe zum AKW sollte auch anderen krebserregenden Einflüssen nachgegangen werden.
3. Wir regen an, Dr. Körbleins Untersuchungsansatz auch auf die Standorte der Atomkraftwerke im ganzen Bundesgebiet auszudehnen. Wenn Ihrerseits Bedarf besteht, können wir gerne mit Ihnen ein vertiefendes Gespräch zur Klärung und Erläuterung der fachlichen Details führen."

Für die IPPNW, Dr. med. Angelika Claußen, Vorstand IPPNW

Weitere Informationen unter: www.ippnw-ulm.de

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