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Pressemitteilung vom 08.02.2002

Gesundheitliche Lage der Bevölkerung desaströs. Grund: Die Wirtschaftssanktionen

Ärzte warnen: Angriff auf Irak würde tausende unschuldiger Opfer fordern

Berlin-  Mit tiefer Sorge hören wir, die Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges und in sozialer Verantwortung, die Ankündigung des US-Außenministers Colin Powell, einen Regierungswechsel im Irak notfalls im Alleingang herbeizuführen. "Ein militärischer Angriff würde enormes ziviles Sterben und Zerstörung hervorrufen", sagt Mary Wynne Ashford, Ko-Präsidentin der IPPNW in Victoria, Kanada. Für die meisten irakischen Haushalte hängt der Zugang zu Grundnahrungsmitteln unter den Sanktionen fast gänzlich von Lebensmittelrationen der Regierung ab.

Ein Verteilungssystem, dass extrem verletzlich ist - gegenüber ziviler Unruhe, gegenüber einer brach liegenden Verwaltung oder gegenüber einem Krieg. Die Erwägung eines Angriffs ist in diesem Zusammenhang moralisch skrupellos, verletzt die Grundsätze internationalen Menschenrechts und unterminiert die Glaubwürdigkeit der USA, die von anderen Ländern Zurückhaltung verlangt.

"Wir hegen die tiefe Sorge, dass ein Angriff auf den Irak den weiteren Verlust unschuldigen Lebens bedeuten würde und zu künftiger Vergeltung gegen unschuldige Zivilisten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern führen könnte, die eine solche Handlung unterstützen.", sagt Ashford.

Laut UNICEF sterben monatlich 5000 Säuglinge und Kinder an behandelbaren Infektionen, an Unterernährung und an verunreinigtem Wasser. Das sind doppelt so viele wie in der Zeit vor den Sanktionen. Die Kindersterblichkeit ist von 1990 bis 1999 laut UNICEF um 160 Prozent gestiegen. Das ist die höchste Zuwachsrate an Kindersterblichkeit weltweit. Laut WHO sind 800.000 Kleinkinder bedrohlich unterernährt. 67 Prozent der Bevölkerung sind unzureichend ernährt.

Ulrich Gottstein, Professor für Innere Medizin und Ehrenvorstandsmitglied der deutschen IPPNW- Sektion war im vergangenen Jahr persönlich in Bagdad: "Wer reich ist, hat eine Überlebenschance, wer arm ist, wird zumeist sterben. Durch die Sanktionen fehlt es an Arzneien, medizinischem Gerät und Operationsmaterial. Ein Krieg in dieser Situation würde erneut die Unschuldigsten treffen". Die irakische Bevölkerung fürchtet nicht so sehr wie eine erneute Bombardierung des Landes. "Die Stimmung im Land ist gedrückt, apathisch, hoffnungslos", sagt Gottstein.

Wir vermitteln Ihnen gerne Ansprechpersonen, die ihnen über die Lage in Bagdad berichten können.

Kontakt: Dr. med. Ute Watermann, IPPNW, Tel.: 030/6930244 oder 0179-4511211

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