Berlin- Anlässlich des Unfalls in dem japanischen Atomkraftwerk Mihama fordert die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW, die deutschen Atomkraftwerke sofort vom Netz zu nehmen, weil der vom Atomgesetz geforderte Schutz der Beschäftigten nicht gewährleistet ist. In dem japanischen Druckwasserreaktor ist heute eine Leitung des Sekundärsystems geplatzt, woraufhin Dampf in die Turbinenhalle ausströmte und mindestens fünf Arbeiter starben.
"Derartige Lecks von Rohrleitungen darf es nach der Theorie von Gutachtern, Atomkraftwerksbetreibern und Behörden eigentlich gar nicht geben", erklärte IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz. "Nach dem Postulat des so genannten Bruchausschlusses und dem so genannten Nachweis der Basissicherheit können solche Rohre eigentlich gar nicht platzen. Der Atomunfall in Japan zeigt wieder einmal, was von den Berechnungen und Behauptungen der Atomindustrie zu halten ist."
Der Druckwasserreaktor Mihama-3 ging ebenso wie zum Beispiel die beiden deutschen Druckwasserreaktoren in Biblis in den 70er Jahren ans Netz. Die Frischdampfleitungen des Sekundärkreises in Biblis bestehen überwiegend aus einem veralteten Stahl, sie weisen erhöhte Spannungen auf und in den Rohrbögen befinden sich rissanfällige Längsnähte. Mit zunehmendem Betriebsalter nimmt die Gefahr der Rissbildung bzw. von Rohrbrüchen zu. Aufgrund derartiger Alterungsprozesse ist es möglicherweise heute in Japan zu dem Unfall gekommen.
Auch in Biblis B ist es am 23. Februar 1995 bereits zu einer kleineren Dampfleckage im Primärsystem gekommen, bei dem 4 Tonnen Wasserdampf pro Stunde ausgeströmt sind. Leckagen im Primär- und im Sekundärkreis von Druckwasserreaktoren gehören zu den gefährlichsten Auslösern, die zu einem Super-GAU führen können.
Der Unfall in Japan zeigt erneut, dass es - entgegen der Theorien und Berechnungen von Gutachtern und Atomindustrie - zum Platzen von Rohrleitungen kommen kann. Platzt beispielsweise eine Hauptkühlmittelleitung, dann können auch die Sicherheitssysteme den Super-GAU nicht mehr verhindern. Die deutschen Atomkraftwerke sind im internationalen Vergleich für eine Kernschmelze besonders schlecht gerüstet, weil die hiesigen Sicherheitsbehälter aus Stahl nur geringen Drücken standhalten.
Die IPPNW fordert die Atomaufsicht in Bund und Ländern auf, unverzüglich die Stilllegung der deutschen Atomkraftwerke einzuleiten. Der vom Atomgesetz geforderte Schutz der Beschäftigten und der Allgemeinheit ist nicht gewährleistet. Das Konzept der "Basissicherheit" und des "Bruchausschlusses" ist nach dem Unfall in Japan offiziell aufzugeben. Diese Postulate gehören in das Märchenbuch der Atomindustrie, aber nicht in die Akten der Atomaufsicht.
Das Atomkraftwerk Mihama liegt rund 320 Kilometer westlich von Tokio. An dem Standort sind drei Druckwasser-Reaktoren in Betrieb. Der Unfall ereignete sich in Block 3, der eine elektrische Bruttoleistung von 826 Megawatt hat und 1976 in Betrieb ging.
Kontakt: IPPNW, Henrik Paulitz, Tel. 06221-75 88 77
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