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IPPNW-Presseinfo vom 28.10.2005

Mit Atomenergie kann man das Klima nicht retten!

Streit bei den Koalitionsverhandlungen

Atomkraftwerksbetreiber wie RWE und der BDI machen Druck auf die Koalitionsgespräche. Sie behaupten, längere Laufzeiten der Atomkraftwerke würden den Kohlendioxid-Ausstoß vermindern und so zum Klimaschutz beitragen. Dem widerspricht die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW entschieden:

"Ginge es der Atomindustrie ernsthaft um den Klimaschutz, dann dürfte sie nicht wie jetzt RWE neue Braunkohle-Großkraftwerke in Nordrhein-Westfalen errichten. Es ist nicht logisch, wenn RWE einerseits zahllose neue Kohlendioxid-Schleudern baut und andererseits vom Klimaschutz redet", sagte Henrik Paulitz von der IPPNW.

Ganz in diesem Sinne geht nach Auffassung der IPPNW auch die BDI-Studie zu Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken am Stand der energie- und klimapolitischen Diskussion vorbei. Stand der in der Klima-Enquete des Deutschen Bundestages parteiübergreifend festgelegten Ziele war, dass der Energieverbrauch gesenkt werden muss und erneuerbare Energien drastisch ausgebaut werden müssen. Sie werden bis 2050 die Stromerzeugung vollständig übernehmen.

"Das Denken der Atomindustrie und des BDI ist verhaftet in Braunkohle, Steinkohle, Erdöl, Erdgas und Atomenergie. Kein Wunder, dass mit dieser Strategie das klimapolitische Ziel einer Emissionsminderung um 80 Prozent völlig verfehlt wird", so Paulitz. "Der BDI-Vorschlag mit Atomkraftwerkslaufzeiten von 60 Jahren führt nach den Berechnungen in der Stromproduktion bis 2030 lediglich zu Emissionssenkungen von etwa einem Drittel, wobei diese Reduktionen nicht auf die Atomkraftwerke, sondern vor allem auf effizientere Technologien im fossilen Kraftwerksbereich zurückzuführen sind. Wie der Neubau ineffizienter fossiler Großkraftwerke durch die Energiewirtschaft zeigt, hat aber das BDI-Konzept mit dem realen Handeln der Stromindustrie nur wenig zu tun."

Auch global betrachtet erweist sich die Atomenergie nach Einschätzung der IPPNW als Klimaflop. Um auch nur 10 Prozent der fossilen Energie im Jahr 2050 durch Atomstrom zu ersetzen, müssten bis zu 1000 neue Atomkraftwerke gebaut werden. Zur Zeit gibt es weltweit etwa 440 Atomkraftwerke. "Ein solcher Ausbau ist schlichtweg unrealistisch. Und selbst dann, wenn er möglich wäre, wäre das Klimaproblem völlig ungelöst", so Paulitz. Selbst die Internationale Atomenergie Organisation IAEA gibt zu, dass die Atomenergie überhaupt nicht schnell genug ausgebaut werden könnte, um den Klimawandel zu begrenzen.

Für Fragen wenden Sie sich an:
Henrik Paulitz, Tel. 0621-39 72 668, mobil 0171-53 888 22

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