Berlin - Anlässlich der heutigen Veröffentlichung des 3. IPCC-Weltklimaberichts warnt die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW davor, sich von den durchschaubaren Interessen von Regierungen und Atomindustrie täuschen zu lassen. "Viele Staaten wollen aus militärischen Gründen und zahlreiche Energiekonzerne wegen der Sicherung ihrer Marktmacht an der Atomenergie festhalten, schieben jetzt aber das Klimaschutz-Argument vor", kritisiert IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz.
Die weltweit 435 Atomkraftwerke haben laut der jüngsten Statistik der Internationalen Energie Agentur (IEA) im Jahr 2004 bereits weniger Strom erzeugt als die Wasserkraftwerke. Die Atomenergie trägt demnach lediglich 2,1 Prozent zur Energieversorgung der Welt bei und ist damit eine "praktisch bedeutungslose Energietechnik". Wollte man mit Atomstrom nennenswert zur Weltenergieversorgung beitragen, dann müsste man realistischerweise über den Zubau von 1000, 2000 oder sogar 3000 Atomkraftwerken nachdenken. "Derartige Szenarien scheitern aber bereits an den industriellen Fertigungskapazitäten", so Paulitz. Selbst in ihrem besten Jahr 1985 hat die Atomindustrie weltweit lediglich 34 Gigawatt entsprechend 26 großen Atomkraftwerken neu in Betrieb nehmen können. Seitdem sind aber die Fertigungskapazitäten für neue Atomkraftwerke deutlich gesunken. Außerdem müsste man über den Zubau hinaus auch viele der 435 bestehenden Atomkraftwerke aus Altersgründen durch neue ersetzen. "Schon aus zeitlichen Gründen ist eine solche Vorstellung illusorisch", so Paulitz.
Nach Aussagen verschiedener Studien aus unterschiedlichsten Ländern kann die Weltenergieversorgung bis 2050 mit entsprechenden Anstrengungen vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Dann wird auch die Energie für die Herstellung erneuerbarer Energieanlagen nicht mehr aus fossilen Energiequellen kommen. Die Herstellung von Solarzellen wird vielmehr mit Strom aus Solarzellen oder anderen erneuerbaren Energien und somit CO2-frei erfolgen.
Die IPPNW fordert daher, den Ausbau der erneuerbaren Energien energisch voranzutreiben und nicht weiter der Illusion Atomenergie nachhängen.
Kontakt: Henrik Paulitz, Tel.: 0171-53 888 22
Sven Hessmann, Pressereferent, 0172-32 58 705
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