Nach Auffassung der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW wird die Sicherheitslage in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel nicht besser, wenn lediglich verantwortliche Manager zurücktreten. "Auch der Rücktritt von Deutschland-Chef Klaus Rauscher im Anschluss an die Entlassung von Atom-Chef Bruno Thomauske und Pressechef Johannes Altmeppen werde nichts daran ändern, dass in Krümmel und Brunsbüttel alte Atomkraftwerke stehen, die weit vom heutigen technischen Sicherheitsstandard abweichen", so IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz.
Das Auswechseln von Verantwortlichen sei üblicherweise nur reine Kosmetik, um ein Problem für beendet zu erklären. Die IPPNW erinnert daran, dass es auch in der Vergangenheit bereits Rücktritte von Atommanagern gab, ohne dass in der Folge menschliche und technische Pannen hätten vermieden werden können.
Nach Auffassung der IPPNW ist es abwegig, den gefährlichen Brand eines Transformators sowie den dramatischen Druck und Füllstandsabfall in Krümmel nun primär als "Kommunikationsproblem" darstellen zu wollen. Die Öffentlichkeitsarbeit von Vattenfall sei aus Sicht des Konzerns möglicherweise gar nicht so schlecht gewesen, "weil geschickt von der Schwere des Störfalls in Krümmel und von den technischen Mängeln des Atomkraftwerks generell abgelenkt wurde", so Paulitz. Vermutlich dienten die jüngsten Personalentscheidungen des Unternehmens insbesondere diesem "Ablenkungsmanöver".
"Man sollte in Ruhe die Analysen des Störfalls abwarten. Es zeichnet sich allerdings ab, dass es gravierende technische Probleme mit der Einspeisung von Kühlwasser gab, weswegen die Betriebsmannschaft als Rettungsanker schließlich die Ventile aufreißen musste", so Paulitz. "Bei dem Störfall aktivierte der so genannte Reaktorschutz ein Sicherheitssystem. Das ist ein objektives Kriterium dafür, dass zuvor andere technische Systeme versagt haben. Derartige technische Probleme lassen sich aber mit einem Auswechseln von Managern nicht beheben."
Die IPPNW fordert die unverzügliche Stilllegung von Krümmel und Brunsbüttel, weil nur so das Spiel mit dem Feuer ein Ende habe.
Die IPPNW stellt in diesem Zusammenhang die Frage, ob der Chef des Mutterkonzerns, Lars Göran Josefsson, als wichtiger Energieberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel überhaupt noch haltbar ist. Josefsson ist "Klimaschutzbeauftragter" der Bundesregierung. Es sei daran zu erinnern, dass Vattenfall nicht nur das jüngste Geschehen in Krümmel und Brunsbüttel, sondern auch den dramatischen Störfall im schwedischen Forsmark im vergangenen Sommer zu verantworten habe.
Kontakt:
Henrik Paulitz, Fachreferent Atomenergie, Tel. 0171-53 888 22
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