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IPPNW-Presseinformation vom 24. April 2007

IPPNW kritisiert Klima-Propaganda

21 Jahre Tschernobyl

Berlin- Anlässlich des Jahrestages der Atomkatastrophe in Tschernobyl am 26. April bezeichnete die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW die "Klima-Propaganda" der Atomindustrie als "sachlich falsch und energiepolitisch gefährlich". Der Atomindustrie gehe es lediglich um ihre Marktmacht und um den eigenen Profit. "21 Jahre nach Tschernobyl sollten wir nicht länger auf die immer neuen Heilsversprechen der Konzerne hereinfallen", fordert IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz.

Nach Auffassung der IPPNW können Atomkraftwerke das Klima nicht retten. "Weltweit tragen die 435 Atomkraftwerke zu weniger als 3 Prozent zur Energieversorgung bei", so Paulitz und fragt: "Was ist mit den "restlichen" 97 Prozent?" Wenn auch nur 10 Prozent der fossilen Energie durch Atomkraft ersetzt werden sollte, müssten zusätzlich rund 1000 neue Atomkraftwerke gebaut werden. "Das ist schon wegen der unzureichenden industriellen Fertigungskapazitäten völlig unrealistisch. Und noch bevor diese Anlagen errichtet wären, wäre das zu wirtschaftlichen Kosten abbaubare Uran vermutlich längst aufgebraucht."

Hinzu kommt, dass einer aktuellen Studie zufolge die Atomenergie schon heute bis zu einem Drittel so viel Kohlendioxid (CO2) emittiert wie Gaskraftwerke. Weil im Uranbergbau aber wegen des rückläufigen Urangehalts im Erz immer mehr fossile Energie eingesetzt werden muss, wird die Atomenergie voraussichtlich ab dem Jahr 2050 ebenso klimaschädlich sein wie fossile Gaskraftwerke.

Mehr noch: Für die Zeit zwischen 2050 und 2070 wird erwartet, dass für die Verarbeitung von niedrig-konzentriertem Uranerz eben so viel Energie verbraucht werden müsste, wie durch das gewonnene Uran an Energie gewonnen werden könnte. "Die Atomenergie ist insofern perspektivisch eine Energievernichtungstechnik."
"Wir halten die CO2-Diskussion ohnehin für absurd", so Paulitz. "Wenn es um Atomkraftwerke geht, verweist die Atomindustrie auf das Klima. Zugleich plant sie allein in Deutschland 45 neue fossile Großkraftwerke, die mit ihrer konventionellen Technik alles, nur nicht CO2-frei sind. "Wir sollten uns auch hier nicht für dumm verkaufen lassen."

Angesichts drohender Klimaerwärmung hält die IPPNW eine Energiewende für unumgänglich. Schon die Endlichkeit von Öl, Gas, Kohle und Uran und die damit verbundene Gefahr von Ressourcenkriegen lasse keine Wahl. Deren vollständiger Ersatz durch Erneuerbare Energien bis 2050 ist nach Aussagen vieler Studien aus den unterschiedlichsten Ländern möglich. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken sowie der geplante Neubau von 45 fossilen Großkraftwerken in Deutschland würden aber den weiteren dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien auf Jahrzehnte blockieren.

Kontakt:
Henrik Paulitz, Fachreferent Atomenergie, Tel.: 0171-53 888 22
Sven Hessmann, Pressereferent, 030-69 80 74 14

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