Berlin - „Bleiben Sie unbequem”, rief Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, den Mitgliedern der Ärzteorganisation IPPNW am Ende seiner Rede zu. Sein Grußwort bildete den Auftakt für die 25-Jahr-Feier der deutschen Sektion der IPPNW, die am 5. Mai im Rahmen der Mitgliederversammlung in Berlin statt fand. Vor 25 Jahren, am 8. Mai 1982, trafen sich engagierte Ärzte zur ersten Vollversammlung der "Ärzte gegen den Atomkrieg" in Frankfurt. Damals wurde die Frankfurter Erklärung der Öffentlichkeit präsentiert - eine persönliche Willenserklärung, alle kriegsmedizinischen Vorbereitungsmaßnahmen abzulehnen und sich nicht daran zu beteiligen. Die Frankfurter Erklärung wurde von den 14 Gründungsmitgliedern der bundesdeutschen IPPNW unterzeichnet.
Auf der 25-Jahr-Feier in Berlin hielt der Verfasser der Frankfurter Erklärung Horst Eberhard Richter einen bewegenden Vortrag. Er verglich den heutigen Kontext friedenspolitischer Arbeit mit der Situation zu Zeiten des Kalten Krieges und diagnostizierte heutzutage „eine materielle und psychische Korruption tief in uns hinein”. Der allgegenwärtige Ruf nach "Flexibilität" bedeute gleichzeitig auch Verkrümmung und Verbiegung der Menschen. Besonders die jungen IPPNW-Mitglieder im Publikum forderte er dazu auf, standzuhalten und weiter den wichtigen aber schwierigen Weg des Widerstandes zu gehen. Im Hinblick auf die globalisierte Welt plädierte Richter für mehr Solidarität: Man könne in einer globalisierten Welt nicht auf Kosten anderer leben. Ulrich Gottstein und Waltraut Wirtgen, auch Mitglieder der ersten Stunde, sprachen in einem Podiumsgespräch über die Einsatz der IPPNW für Frieden und soziale Verantwortung in der Vergangenheit und über die Herausforderungen der Zukunft.
Die Geschichte der internationalen IPPNW begann - zwei Jahre vor der Gründung der deutschen Sektion - mit einem Briefwechsel zwischen dem russischen Kardiologen Evgenij Chazov und seinem amerikanischen Kollegen Bernard Lown. Wenige Monate später gründeten sie mit weiteren Ärzten aus den USA und der Sowjetunion die Organisation zur Verhütung eines Atomkrieges. In den darauf folgenden Jahren wurden internationale Sektionen gegründet. 1984 erhielt die IPPNW den UNESCO-Preis für Friedenserziehung, 1985 den Friedensnobelpreis.
25 Jahre IPPNW: Hier finden Sie ein Radiointerview auf Deutschlandfunk mit Horst Eberhard Richter
25 Jahre IPPNW: Lesen Sie hier einen großen Bericht dazu in der Ärztezeitung vom 8. Mai 2007
Für weitere Informationen:
Sven Hessmann, Pressereferent, Tel.: 030 - 69 80 74 14
Fax: 030-6938166, E-Mail: hessmann@ippnw.de
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