Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge emittiert die Atomenergie schon heute bis zu einem Drittel so viel Kohlendioxid (CO2) wie Gaskraftwerke. Weil im Uranbergbau wegen des rückläufigen Urangehalts im Erz immer mehr fossile Energie eingesetzt werden muss, wird die Atomenergie ab dem Jahr 2050 ebenso klimaschädlich sein wie fossile Gaskraftwerke. Das sind zentrale Aussagen einer Studie der britischen Wissenschaftler-Gruppe "Oxford Research Group" vom März 2007. "Damit ist die Legende von der klimafreundlichen Atomenergie endgültig vorbei", sagte die Vorsitzende der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, Angelika Claußen. "Selbst wenn die Atomenergie nur ihren geringen Beitrag von weniger als 3 Prozent zur weltweiten Energieversorgung beibehält, trägt sie immer stärker zur CO2-Belastung der Erdatmosphäre bei."
Der Untersuchung der Oxford Research Group zufolge, die sich hierbei auch auf Abschätzungen niederländischer Wissenschaftler (Storm & Smith Aug. 2005) und der Universität von Sydney (Dez. 2006) beruft, liegen die CO2-Emissionen der Atomenergie schon heute zwischen denen erneuerbarer Energien und fossiler Kraftwerke, keineswegs aber auf dem Niveau der Windenergie wie die Atomwirtschaft behauptet. Während die produktionsbedingten CO2-Emissionen der Windenergie mit 11-37 Gramm pro Kilowattstunde angegeben werden, produziert die Atomenergie schon heute 84-122 Gramm CO2. Die Emissionen von modernen Gaskraftwerken liegen bei 385 Gramm.
Laut Oxford Research Group entstehen derzeit bei der Gewinnung des Kernbrennstoffs für Atomkraftwerke und seiner Entsorgung 56 Gramm CO2. Hinzu kommen 28-66 Gramm CO2 durch den Bau und den Rückbau der Atomkraftwerke.
In den kommenden Jahren werden die CO2-Emissionen der Atomenergie laut Oxford Research Group drastisch ansteigen: "Der Rohstoff Uran muss aus der Erdkruste durch eine Reihe von physikalischen und chemischen Prozessen gewonnen werden, die Energie verbrauchen und alle Kohlendioxid erzeugen", schreiben die Wissenschaftler. Je geringer der Urananteil des Erzes ist, desto mehr Material muss mit hohem Energieaufwand verarbeitet werden, was zu immer höheren CO2-Emissionen führt. Die Wissenschaftler rechnen daher damit, dass um das Jahr 2050 die Atomenergie pro Kilowattstunde ebenso viel CO2 in die Atmosphäre freisetzen wird wie Gaskraftwerke, wenn der heutige geringe Anteil der Atomenergie an der Weltenergieversorgung auch nur gehalten wird.
Völlig unbekannt ist, in welchem Maße die Atomenergie für die Freisetzung weiterer Treibhausgase verantwortlich ist. Zu diesen weitaus klimawirksameren anderen Treibhausgasen liegen seitens der Atomwirtschaft bislang keinerlei öffentlich zugängliche Zahlen vor. "Entgegen der Propaganda der Atomwirtschaft und der ihr genehmen Experten können Atomkraftwerke das Klima nicht retten", so Claußen.
Kontakt:
Sven Hessmann, Pressereferent, Tel. 69 80 74 14
Henrik Paulitz, Fachreferent Atomenergie, Tel. 0171-53 888 22
Link: Hier finden Sie den Bericht der Oxford Research Group "Secure Energy? Civil Nuclear Power, Security and Global Warming"
Link: Eine aktuelle Studie des Ökoinstituts zur CO2-Bilanz von Atomstrom kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie die Oxford Research Group
Link: "Das Märchen vom CO2-freien Atomstrom" - ein Artikel von Ulf Bossel
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