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IPPNW-Presseinformation vom 23. März 2007

E.On will Atomkraftwerk in der Slowakei bauen

IPPNW nennt Vorhaben verantwortungslos

Nach Angaben der slowakischen Wirtschaftszeitung "Hospodárske noviny" (Handelsblatt-Gruppe) denkt der deutsche Atomkraftwerksbetreiber E.On über den Bau eines neuen Atomkraftwerks in der Slowakei nach. Der Vorstandsvorsitzende der E.On Energie AG, Johannes Teyssen, wird in der Zeitung mit den Worten zitiert: "Die E.On AG ist interessiert an der Errichtung eines neuen Atomkraftwerks am existierenden Atomkraftwerksstandort Jaslovske Bohunice."

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico sagte nach einem Treffen mit Johannes Teyssen am 21. März, E.On sei "der erste ernsthafte Partner", der über neue Atomkraftwerke in Bohunice diskutiere. Die Slowakei ist der Zeitung zufolge interessiert daran, den Betrieb der Atomkraftwerke des Landes nicht nur einem Konzern zu überlassen.

Am zweiten slowakischen Atomkraftwerksstandort Mochovce will der italienische Konzern ENEL zwei weitere Atomkraftwerksblöcke errichten. Die ersten beiden Blöcke des Atomkraftwerks Mochovce wurden vor Jahren unter Beteiligung von Siemens fertig gestellt. Im diesem Jahr soll der bereits 1985 begonnene Bau der Blöcke 3 und 4 in Mochovce fortgesetzt werden.

"Mit einer Renaissance der Atomenergie haben die Überlegungen für neue Atomkraftwerke in der Slowakei wenig zu tun, da es sich ja nur um den Ersatz für alte Atommeiler handelt. Im Jahr 2006 wurden 8 Atomkraftwerke stillgelegt, während nur 2 Blöcke neu ans Netz gingen. Die Atomenergie ist und bleibt für die weltweite Energieversorgung bedeutungslos, da sie mit nur 2,1 Prozent weniger zur Energieversorgung beisteuert als beispielsweise die Wasserkraft", so Henrik Paulitz von der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW.

Das Vorhaben von E.On sei verantwortungslos, weil die Atomwirtschaft nun außerhalb von atomkritischen Ländern wie Deutschland, Österreich und Italien gefährliche Atomkraftwerke errichten und den Atomstrom in diese Länder importieren wolle. In diesem Zusammenhang seien auch die Planungen für zwei Europäische Druckwasser-Reaktoren (EPR) am Standort Ignalina in Litauen zu sehen. Auf dem jüngsten EU-Gipfel wurden laut IPPNW neue Stromtrassen beschlossen, um Atomstrom aus Litauen, aus der Slowakei und aus Tschechien in westliche Länder zu transportieren.[siehe auch IPPNW-Pressemitteilung vom 7. März]

"Eigentlich hat niemand mehr Interesse an diesen sinnlosen Vorhaben von E.On, RWE und Siemens", meint Paulitz. "Sogar für Politiker der CDU, CSU und der FDP ist die Atomenergie bestenfalls nur noch eine ungeliebte Übergangsenergie. Der ehemalige CDU-Umweltminister Klaus Töpfer, zuletzt Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, hat am 21. März 2007 ausgerechnet bei einer Veranstaltung des "SiemensForums" der Atomenergie als Lösung für die Klimaprobleme eine klare Absage erteilt." Zum Schutz des Klimas müsste man laut Töpfer zusätzlich zu den 435 derzeit betriebenen Atomkraftwerken 3000 weitere Atomkraftwerke bauen und zudem in die Plutoniumwirtschaft mit Schnellen Brütern einsteigen. So stelle er sich aber die Zukunft für seine Enkelkinder nicht vor.


Kontakt:
Henrik Paulitz, Fachreferent Atomenergie, Tel.: 0171-53 888 22

Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW)
Körtestr. 10
10967 Berlin
Tel. 030-69 80 74-0
Fax: 030-6938166,
Email: ippnw@ippnw.de
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