Es waren die Taten von Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen, die uns in den Jahren 1992 und 1993 erschütterten und die IPPNW bewogen, Stellung zu beziehen: für ein menschliches sozialverantwortliches Deutschland, das sich dem Schutz aIIer Menschen in diesem Lande verpflichtet, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Menschen gingen zu Tausenden auf die Straße, bildeten Lichterketten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Was weiter geschah, ist bekannt. Statt den Rechtsextremismus energisch zu bekämpfen, wurden die Flüchtlinge und Asylsuchenden als Ziel staatlichen Handelns ausgemacht. Eine große Koalition schaffte das Asylrecht faktisch ab und betrieb nach der Devise «Das Boot ist voll» eine rigide Abschottungspolitik. Mit ´Erfolg´, wie uns immer wieder eingeredet wird. Richtig ist: Die Zahl der Asylsuchenden ging stetig zurück, von ca. 430.000 (1992) auf 104.000 (1997). Nur das Problem blieb bzw. verschlimmerte sich noch; die Zahl der Gewalttaten mit rechtsextremen rassistischen Hintergrund stieg ständig an. Dass Menschen, nur weil sie anders aussehen als wir, beleidigt, bedroht, durch die Straßen gehetzt, zusammengeschlagen, niedergestochen oder getötet werden, gehört mittlerweile zur Normalität. Ausländerhass bestimmt insbesondere in den östlichen Bundesländern den Alltag. Rechtsextreme Parteien erzielen deutliche Stimmengewinne und ziehen wie die DVU in Sachsen-Anhalt mit 12,9 Prozent der Stimmen in den Landtag ein. Das rechtsextreme EinstellungspotentiaI der Bevölkerung wird noch weit höher bewertet.
Höchste Zeit also, unser Informationspaket «Medizin gegen Ausländerhass» zu überarbeiten und neu aufzulegen.
Die Überwindung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dient dem Schutz von Gesundheit und Leben, zu dem Ärztinnen und Ärzte kompetent und wirksam beitragen können.
Machen wir deutlich: Hass macht krank. Rassismus richtet sich gegen Persönlichkeit, Gesundheit und Leben von Menschen. Er bewirkt Stress, Angst, Verletzung, persönliche Abwertung, Verarmung, Isolation und Bedrohung bis hin zu Mord. Stellen wir uns dem krankmachenden destruktiven Klima von Hass und Feindschaft entgegen: durch Aufklärung und Zivilcourage.
Wir sind sicher, dass unsere Broschüre «Medizin gegen Ausländerhass» Ihren PatientInnen zu denken geben wird und einen Beitrag zu mehr Verständnis und Verständigung leistet. Bitte nehmen Sie die Gelegenheit wahr und werben Sie für mehr Toleranz und Zivilcourage. Bestellen Sie unsere «Medizin gegen Ausländerhass» in der IPPNW-Geschäftsstelle.
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